Nefela-Bags - Crowd Funding on Startnext

Bevor ich den Blog über das Crowd Funding Projekt beginne möchte ich Euch etwas über mich und das Label Nefela-Bags erzählen. Es gibt auch allgemeine Fragen und Themen die vor dem Start der Crow Funding Kampagne noch zu klären sind.


Vladislav Georgiev

Geboren wurde ich 1979 in der Hauptstadt Bulgariens, Sofia. Nach dem Fall des kommunistischen Regimes emigrierte meine Mutter mit mir nach München. Hier wuchs ich auf und fand über die Schule und den Fußballverein schnell Anschluss an die deutsche Gesellschaft. Prägend waren für meine weitere Zukunft die zwei Jahre an der Fachoberschule für Kunst und Gestaltung in München, Giesing. Es waren die schönsten Jahre meiner Jugend. Endlich hatte ich Gleichgesinnte gefunden und konnte zugleich meiner Leidenschaft für Kunst und Handwerk nachgehen. Das anschließende Studium der Innenarchitektur in Rosenheim war für mich eher ein Kompromiss, denn eine Entscheidung des Herzens. Die Lehrjahre dort waren dennoch sehr wichtig für meine spätere Selbständigkeit. Vor allem was die Organisation der eigenen Projekte und die positive Einstellung dazu angeht. Eigene Projekte konnte ich im Büroalltag in keinem der Innenarchitekturbüros, für die ich gearbeitet habe, verwirklichen. Vielleicht auch weil meine Leidenschaft nach wie vor der Kunst galt. So kam es für mich nicht überraschend, dass ich zwei Jahre nach dem Studium den Beruf an den Nagel hängte und beschloss, meinen Weg als Künstler zu gehen. Das tat ich auch in den folgenden Jahren und konnte schon nach einer gewissen Zeit meine ersten Ausstellungen in München organisieren. Bis zum Jahr 2009 als meine Freundin Sahra Aboudarar einen Lehrauftrag  an der technischen Universität in Sofia bekam. Wir beschlossen daraufhin, unsere Zelte in München abzubrechen und nach Sofia zu ziehen. Die Anfangszeit in Sofia war für mich sehr schwer, da ich keine Kontakte und keinen Job hatte. Darin war aber auch der Beginn von Nefela-Bags angelegt.

Nefela-Bags - Die Geschichte

Für meinen künstlerischen Werdegang war Sofia sicherlich eine Bereicherung. Zum einen konnte ich meine Familiengeschichte künstlerisch aufarbeiten, zum anderen bietet einem das Leben in Bulgarien philosophische Themen, die mit der eigenen Existenz verbunden sind. Man lernt aber auch das  Leben zu genießen und sich mehr am Moment zu erfreuen. Das können die Leute im Süden sicherlich besser als in Mittel- oder Nordeuropa.

Wie dem auch sei, ich musste Kontakte aufbauen und mir einen Job suchen. Künstlerisch hatte ich schnell Anschluss gefunden und konnte relativ bald meine erste Ausstellung in der Stadt eröffnen. Aber finanziell ging es mir nach wie vor eher schlecht. Anfangs habe ich Dudelsäcke über Ebay nach Deutschland verkauft. Das Geschäft war zwar lukrativ, dennoch anstrengend, da ich keine Ahnung von der Bauweise dieser Musikinstrumente hatte und fachspezifische Fragen nicht beantworten konnte. Ich merkte aber, dass sich über den Internethandel relativ einfach Geld verdienen ließ.

Wer eine Weile in Sofia gelebt hat, ist sicherlich schon mal an einem Secondhand-Geschäft  vorbeispaziert. Dort kann man Kleidung und Accessoires zum Kilopreis relativ günstig erwerben. So kaufen sich Sofioter für wenig Geld spontan Jacken, Taschen oder Mäntel. Der Zufall wollte es, dass ich mir an einem verregneten Tag eine viel zu große Regenjacke von Jack Wolfskin für umgerechnet 2 Euro kaufte. Da ich weiterhin keine Verwendung dafür fand, stellte ich sie auf Ebay ein und konnte mich nach einer Woche über eine erfolgreiche Auktion erfreuen. Die Jacke wurde für ca 50 Euro ersteigert. Das war mit Sicherheit der Moment, in dem ein Schalter in meinem "Händlerhirn" umgelegt wurde. Denn ich investierte die 50 Euro für weitere Einkäufe, die ich wiederum weiterverkaufte. Darunter war nicht nur Kleidung, sondern auch Ledertaschen. Diese ließen sich besonders gewinnbringend verkaufen, sodass ich immer mehr davon kaufte. Ich fand auch Taschen mit kleinen Mängeln und reparierte sie. Irgendwann hatte ich das Bedürfnis, selbst eine Ledertasche zu fertigen. Wahrscheinlich stellte ich beim Reparieren fest, dass die Konstruktion einer Damentasche nachvollziehbar und in den eigenen Entwürfen umsetzbar ist. 

Die Singer Nähmaschine meiner Urgroßmutter stand in der Wohnung meines Großvaters seit Jahren nur herum und diente lediglich als Staubfänger und Dekoration. Meine Urgroßmutter, meine Oma und meine Schwester hatten darauf über Jahrzehnte ihre Klamotten nach Burdaschnittmustern genäht. Letztere zeigte mir auch einige Grundregeln, die man beim Nähen zu beachten hatte. Den Rest erledigte ich selbst. Ich kaufte Leder aus der Stadt Plovdiv und machte mich an die erste Damentasche heran. Diese nähte ich händisch mit einer Nähahle. Für eine 20 cm Naht benötigte ich ca 2 Stunden. Mit der Nähmaschine ging es wesentlich flotter und präziser, sodaß ich nach ca. 3-4 Monaten meine ersten Rucksack auf der Plattform Dawanda verkaufen konnte. Daraufhin erstellte ich meinen eigenen Online Shop und verkaufte zusätzlich auf Etsy. Es folgten besuche auf Weihnachtsmärkten und auf dem Streetlife Festival in München. Das Leder beziehe ich hauptsächlich aus Gabrovo. Für die meisten Taschen verwende ich Wasserbüffel und Rindsleder. Dieses ist zwar nicht pflanzlich gegerbt, dennoch verfügt die Gerberei immerhin über ein Klärwerk. So sind die Jahre vergangen und Nefela-Bags existiert immer noch. 

Heute sind mehr als 7 Jahren seit der Fertigung der ersten Tasche vergangen. Die Leidenschaft für das Entwerfen und fertigen der Taschen ist größer den je. Aber es steht der Unternehmung einen Wechsel bevor. Denn die Firma wird von Bulgarien nach München umziehen. Langfristig möchten wir ökologischer wirtschaften und sinnvoller produzieren.

 

Vladislav Georgiev


Singer Nähmaschine - Die Nähmaschine meiner Urgroßmutter

Der erste Rucksack, hergestellt auf der oben abgebildeten Singer Nähmaschine. Das Segeltuch dazu hatte ich auf dem Speicher meines Großvaters gefunden. Das Leder stammte von www.koja.bg


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